Der Rabe als Krafttier
Ruf deine Kraft zurück
Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir spüren, dass ein Teil unserer Kraft irgendwo zurückgeblieben ist. Nicht wirklich verloren – und doch nicht ganz bei uns.
Vielleicht hängen unsere Gedanken noch an einer alten Beziehung, oder an einer Verletzung. An einem Menschen, den wir nicht vergessen können. An einer Entscheidung, die wir heute anders treffen würden. Oder an einer Zeit unseres Lebens, die längst vergangen ist und dennoch immer wieder an unsere innere Tür klopft.
Manchmal sind es auch die Erwartungen anderer Menschen, denen wir noch immer versuchen gerecht zu werden. Und manchmal wissen wir gar nicht genau, wohin unsere Kraft geflossen ist.
Wir spüren nur: Es ist Zeit, wieder ganz bei uns anzukommen.
Genau hier begegnet mir die Symbolik des Raben.
Der Rabe – Begleiter zwischen Licht und Schatten
Der Rabe besitzt etwas Geheimnisvolles.
Sein schwarzes Gefieder scheint auf den ersten Blick die Farbe der Nacht zu tragen. Doch wenn Licht darauf fällt, beginnt es plötzlich blau, violett oder sogar silbern zu schimmern.
Vielleicht liegt bereits darin eine seiner schönsten Botschaften:
Nicht alles, was dunkel erscheint, ist ohne Licht.
In Mythen und spirituellen Überlieferungen verschiedener Kulturen begegnet der Rabe immer wieder als ein besonderes Tier. Die konkreten Bedeutungen unterscheiden sich je nach Tradition. Deshalb gibt es nicht die eine allgemeingültige Deutung des Raben als Krafttier.
Für mich steht er vor allem für: Wandlung und Transformation, Intuition, innere Weisheit, das Erkennen verborgener Zusammenhänge und den Mut, auch jene Bereiche unseres Lebens anzuschauen, die wir lieber im Nebel lassen würden.
Der Rabe sagt nicht: Bleib in der Dunkelheit.
Er sagt: Fürchte sie nicht. Du kannst auch dort sehen lernen.
Wenn unsere Kraft in der Vergangenheit gebunden bleibt
Vielleicht kennst du das.
Eine Begegnung liegt Jahre zurück und ein einziger Gedanke daran verändert noch immer deine Stimmung. Ein Satz, den jemand irgendwann zu dir gesagt hat, lebt weiter in deinem Kopf. Eine alte Verletzung beeinflusst eine Entscheidung, die du heute triffst.
Oder du führst längst ein neues Leben und merkst dennoch, dass ein Teil von dir innerlich noch an einer alten Tür steht. Dann ist unsere Lebensenergie nicht im wörtlichen Sinne verschwunden. Aber unsere Aufmerksamkeit ist gebunden.
Und Aufmerksamkeit besitzt Kraft.
Wo unsere Gedanken immer wieder hingehen, fließt auch etwas von unserer gegenwärtigen Energie hin.
Genau deshalb gefällt mir das Bild der spirituellen Kraftrückholung so sehr.
Nicht als Kampf und nicht als Forderung. Und schon gar nicht als Vorstellung, einem anderen Menschen Energie wegzunehmen.
Sondern als bewusste Entscheidung: Ich komme zurück zu mir.
Ich rufe meine Kraft zurück
Vielleicht möchtest du diese Worte einmal langsam lesen – oder laut sprechen:
Ich rufe all meine Kraft zu mir zurück.
Aus allen Zeiten und Räumen.
Aus allen Ebenen und Dimensionen meines Seins.
Aus alten Wegen und alten Träumen.
Ich rufe meine Kraft zurück
aus vergangenen Beziehungen,
aus Ängsten und Sorgen,
aus alten Verletzungen
und aus Erwartungen, die niemals meine waren.
Ich rufe meine Kraft zurück
aus jedem Augenblick,
in dem ich mich kleiner gemacht habe.
Aus jedem Moment, in dem ich meine Wahrheit verschwiegen habe. Aus jedem Weg, auf dem ich mich selbst ein Stück verlassen habe.
Was zu mir gehört, darf gereinigt und verwandelt zu mir zurückkehren. Und alles, was nicht zu mir gehört, lasse ich in Frieden gehen. Ich nehme niemandem etwas. Ich sammle nur ein, was meines ist.
Meine Lebenskraft.
Meine Würde.
Meine Stimme.
Meine Liebe.
Meinen Mut.
Mein Licht.
Ich rufe meine Kraft zurück.
Und ich komme heim zu mir.
Eine Meditation mit dem Raben
Für diese Meditation brauchst du nichts Besonderes.
Vielleicht möchtest du eine Kerze anzünden. Du kannst dich aber ebenso ans offene Fenster setzen, hinaus in den Garten schauen oder dich einfach für einige Minuten an einen Ort zurückziehen, an dem du ungestört bist.
Nimm dir ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten Zeit.
1. Ankommen
Setze dich bequem hin. Schließe deine Augen und atme einige Male langsam ein und aus. Spüre deinen Körper. Den Boden unter deinen Füßen. Deinen Atem.
Du musst nichts erreichen. Du musst nirgendwohin. Für diesen Augenblick genügt es, einfach da zu sein.
2. Der Wald
Stell dir vor, du stehst auf einem Weg in einem alten Wald. Zwischen den Bäumen liegt Nebel. Du kannst den Weg vor dir nur wenige Meter weit erkennen. Dann hörst du über dir einen Flügelschlag. Ein schwarzer Rabe landet auf einem Ast.
Er betrachtet dich ruhig und ohne Urteil oder Forderung. Als würde er dich kennen.
3. Der Ruf
Der Rabe breitet seine Flügel aus.
Und innerlich sprichst du: Ich rufe meine Kraft zurück.
Stell dir vor, aus der Ferne erscheinen kleine Lichtpunkte. Manche kommen aus längst vergangenen Zeiten. Andere aus Situationen, an die du dich vielleicht gar nicht bewusst erinnerst.
Du musst nichts suchen. Du musst nichts analysieren. Lass die Bilder einfach kommen und wieder gehen. Die Lichtpunkte bewegen sich langsam auf dich zu.
4. Deine Kraft kehrt zurück
Mit jedem Atemzug kommen die Lichtpartikel näher. Sie tragen nichts Schweres mit sich. Keine alten Geschichten. Keine Verletzungen.
Nur das, was wirklich zu dir gehört. Deine Kraft. Deine Freude. Deinen Mut. Deine Kreativität. Deine Stimme. Deine Liebe. Dein Licht.
Lege nun eine Hand auf dein Herz. Atme tief ein. Und sage: Was zu mir gehört,
findet seinen Weg zu mir.
5. Loslassen
Beim Ausatmen stellst du dir vor, wie alles, was du nicht mehr tragen möchtest, leichter wird.
Alte Erwartungen. Urteile. Schuldgefühle. Ängste. Rollen, die nicht mehr zu dir passen. Du musst sie nicht fortstoßen. Lass sie einfach ziehen wie Blätter im Herbstwind.
Sprich: **Was nicht meines ist, lasse ich ziehen. Ich gebe es in Frieden frei.**
6. Der Nebel öffnet sich
Nun verändert sich der Wald. Der Nebel beginnt sich langsam zu teilen. Zwischen den Bäumen fällt goldenes Morgenlicht. Und plötzlich kannst du den Weg vor dir wieder sehen. Vielleicht erkennst du noch nicht, wohin er führt. Das musst du auch nicht. Es genügt, den nächsten Schritt zu sehen.
Der Rabe erhebt sich vom Ast. Er fliegt vor dir durch das Licht und schließlich hinauf in den goldenen Himmel.
Du legst noch einmal deine Hand auf dein Herz.
Und sprichst: **Ich bin hier. Ich bin ganz. Ich bin frei. Meine Kraft ist bei mir. Ich vertraue meinem Weg. Ich komme heim zu mir.**
Bleibe noch einen Moment in der Stille. Dann öffne langsam deine Augen.
Ruf deine Kraft zurück – mein Video zum Raben
Zu diesem Thema ist auch mein Video „Der Rabe – Ruf deine Kraft zurück“ entstanden.
Die Bilder erzählen dieselbe Reise noch einmal auf einer anderen Ebene: Vom Nebel ins Licht. Vom Festhalten zum Loslassen. Von alten Wegen zurück in die Gegenwart.
Der Rabe fliegt darin durch Zeiten und Räume, während kleine Lichtfunken symbolisch zu der Frau zurückkehren.
Dazu entstand der Song mit den Worten:
„Ruf deine Kraft zurück,
aus allen Zeiten, allen Räumen.
Aus allen Ebenen und Dimensionen,
aus alten Wegen, alten Träumen.“
→ Hier mein Video dazu.
🐦⬛ Tipp:
Vielleicht möchtest du es nicht einfach nur anschauen.
Setze Kopfhörer auf, schließe für einen Teil des Videos die Augen und lass Bilder, Worte und Musik wirken.
Nicht jede Zeile muss für dich eine Bedeutung haben.
Nimm einfach das mit, was dich berührt.
Fürchte die Dunkelheit nicht
Der Rabe ist für mich kein Symbol dafür, dass etwas Dunkles kommen wird. Ganz im Gegenteil. Er erinnert mich daran, dass Dunkelheit zum Leben gehört.
Nacht und Morgen. Winter und Frühling. Abschied und Neubeginn. Festhalten und Loslassen. Wir müssen nicht jeden Schatten bekämpfen.
Manchmal genügt es, eine Laterne anzuzünden und einen Schritt weiterzugehen.
Vielleicht besteht innere Heilung auch nicht immer darin, alles Vergangene vollständig aufzulösen. Vielleicht bedeutet sie manchmal einfach, sagen zu können: Es war ein Teil meines Weges. Aber es bestimmt nicht mehr, wohin ich gehe.
Komm heim zu dir
Unsere Kraft war vielleicht niemals wirklich verloren.
Manchmal haben wir nur vergessen, wo wir selbst geblieben sind zwischen all den Menschen, Aufgaben, Erinnerungen und Erwartungen unseres Lebens. Dann kann ein Symbol wie der Rabe uns daran erinnern, innezuhalten.
Die Flügel auszubreiten. Das Alte zu würdigen. Und weiterzugehen. Was zu dir gehört, darf bleiben. Was nicht zu dir gehört, darf gehen. Und was du irgendwann auf deinem Weg von dir selbst zurückgelassen hast, darf wieder heimkehren.
Ruf deine Kraft zurück. Ohne Angst und ohne Kampf. Sondern in Liebe.
Komm heim zu dir. 🖤🐦⬛
Wenn dich solche Übergänge zwischen Loslassen, Erinnerung und Neubeginn beschäftigen, findest du auf meinem Blog weitere Gedanken über Seele, Bewusstsein und unsere spirituellen Wege.
