Zeitumstellung, Zeitreisen und die geheimnisvolle Frage: Was ist Zeit?
In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2026 geschieht wieder etwas Merkwürdiges mit unserer Zeit. Um 3 Uhr stellen wir die Uhren auf 2 Uhr zurück. Eine Stunde kehrt zurück. Zumindest auf unseren Uhren.
Denn natürlich reist niemand wirklich eine Stunde in die Vergangenheit. Dennoch hat die Zeitumstellung etwas Faszinierendes: Eine Stunde unseres Lebens existiert plötzlich zweimal. Die Zeit zwischen zwei und drei Uhr wird wiederholt.
Vielleicht ist gerade das ein schöner Anlass, einmal über die Zeit selbst nachzudenken. Was ist Zeit eigentlich?
Ist sie tatsächlich jene gerade Linie, auf der wir von der Vergangenheit über die Gegenwart in Richtung Zukunft wandern? Oder ist unser Erleben von Zeit nur eine von vielen Möglichkeiten, Wirklichkeit wahrzunehmen?
Und könnten Zeitreisen vielleicht doch mehr sein als eine wunderbare Idee aus Büchern und Science-Fiction-Filmen?
Zeitumstellung 2026 – wann werden die Uhren zurückgestellt?
Am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, endet in Deutschland die Mitteleuropäische Sommerzeit.
Um 3:00 Uhr MESZ werden die Uhren auf 2:00 Uhr MEZ zurückgestellt. Damit beginnt wieder die Mitteleuropäische Zeit, die häufig als Winterzeit bezeichnet wird.
Die Nacht ist dadurch eine Stunde länger. Morgens wird es nach der Uhr früher hell, am Abend dafür früher dunkel.
Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Nachtwache, in der ich die Zeitumstellung ganz besonders bewusst erlebt habe. Während sich vermutlich viele Menschen über die „geschenkte Stunde“ Schlaf freuten, bedeutete sie für mich etwas ganz anderes: eine Stunde länger arbeiten. Ich weiß noch, wie ich auf die Uhr schaute und darauf wartete, dass diese eine Stunde zwischen zwei und drei Uhr endlich weiterlief. 😉
Es war ein merkwürdiges Gefühl. Die Uhr hatte drei Uhr beinahe erreicht und plötzlich begann dieselbe Stunde noch einmal. Ausgerechnet während einer Nachtwache bekommt der Satz „Wir stellen die Zeit zurück“ eine ausgesprochen praktische Bedeutung. Eine kleine Zeitreise also – nur leider ohne Stargate, TARDIS oder schottischen Steinkreis.
Und ganz sicher ohne Jamie Fraser. 😄
Die nächste Umstellung erfolgt am 28. März 2027. Dann werden die Uhren wieder von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt.
Wird die Zeitumstellung nicht abgeschafft?
Diese Frage taucht fast jedes Jahr wieder auf.
Tatsächlich schlug die Europäische Kommission bereits 2018 vor, die halbjährliche Zeitumstellung abzuschaffen. Auch das Europäische Parlament sprach sich 2019 grundsätzlich dafür aus.
Umgesetzt wurde dies jedoch bis heute nicht.
Die EU-Mitgliedstaaten haben sich noch nicht auf eine gemeinsame Position verständigt. Deshalb bleibt die bisherige Regelung vorerst bestehen.
Vielleicht ist das fast schon eine kleine Zeitreise für sich: Seit Jahren reden wir darüber, die Zeitumstellung abzuschaffen, haben für das Abschaffen gestimmt – und zweimal jährlich stehen wir wieder vor unseren Uhren und überlegen:
Vor oder zurück?
Für den Herbst gibt es zum Glück die bekannte Eselsbrücke: Im Frühjahr kommen die Gartenmöbel vor das Haus – im Herbst kommen sie zurück.
Und genauso wandert der Uhrzeiger im Herbst zurück.
Was macht die Zeitumstellung mit unserem Körper?
Unsere innere Uhr lässt sich allerdings nicht ganz so einfach verstellen wie die Uhr an der Wand.
Unser Schlaf-Wach-Rhythmus orientiert sich unter anderem am natürlichen Wechsel von Licht und Dunkelheit. Deshalb können manche Menschen nach einer Zeitumstellung vorübergehend Müdigkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Gereiztheit wahrnehmen.
Meist findet der Körper nach einigen Tagen wieder in seinen Rhythmus. Vielleicht dürfen wir in diesen Tagen trotzdem etwas freundlicher mit uns sein. Etwas früher zur Ruhe kommen. Morgens Tageslicht suchen. Bewegung und frische Luft genießen. Und dem Körper erlauben, seinen eigenen Takt wiederzufinden. Denn unsere innere Uhr besitzt keinen kleinen Drehknopf auf der Rückseite.
Und plötzlich sind wir mitten in der Frage nach der Zeit
Eine Uhr kann ich eine Stunde zurückstellen. Aber kann ich Zeit zurückstellen?
An diesem Punkt beginnt für mich das eigentlich Spannende. Denn Zeitreisen haben mich schon fasziniert, solange ich zurückdenken kann. Vielleicht liegt es daran, dass sie eine unserer tiefsten menschlichen Sehnsüchte berühren. Noch einmal zurückgehen. Eine Entscheidung anders treffen. Einen geliebten Menschen noch einmal sehen. Einen Augenblick noch einmal erleben.
Oder nach vorne reisen und für einen kurzen Moment sehen, wohin unser Weg führt.
Meine Liebe zu Zeitreisen begann mit Science-Fiction
Schon früh begegneten mir solche Gedanken in meinen heißgeliebten Science-Fiction-Serien.
Star Trek (*) gehörte dazu.
Dort war Zeit niemals vollkommen sicher. Zeitlinien konnten verändert werden, Vergangenheit und Zukunft miteinander kollidieren und Menschen plötzlich an Orten auftauchen, die Jahrhunderte von ihrer eigenen Lebenszeit entfernt lagen. Zeitreisen begleiten Star Trek tatsächlich seit den frühen Jahren des Franchise. Immer wieder werden dabei auch die Konsequenzen einer Veränderung der Vergangenheit thematisiert.
Und dann kam für mich natürlich Stargate.(*)
Auch dort wurde wunderbar mit der Zeit gespielt. Eine meiner Lieblingsideen ist bis heute, dass eine Sonneneruption in Verbindung mit dem Stargate eine Reise durch die Zeit ermöglichen kann. In der Folge „1969“ wird SG-1 auf diese Weise rund drei Jahrzehnte in die Vergangenheit geschleudert. Und wer Stargate SG-1 kennt, erinnert sich wahrscheinlich auch an „Window of Opportunity“: O’Neill und Teal’c erleben dieselben zehn Stunden immer und immer wieder.
Eine Zeitschleife. Was anfangs absurd und teilweise herrlich komisch wirkt, wird irgendwann zu einer erstaunlich menschlichen Geschichte über Verlust, Festhalten und Loslassen. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum mich gute Science-Fiction bis heute fasziniert. Sie erzählt nicht nur von Technik. Sie erzählt von uns.
Outlander – wenn Liebe durch die Jahrhunderte reicht
Und dann gibt es natürlich Outlander. (*) Ich liebe diese Serie sehr.
Hier wird die Zeitreise ganz anders erzählt. Keine Maschine. Kein Raumschiff. Keine komplizierte Technologie.
Claire Randall, eine Krankenschwester aus dem Jahr 1945, gerät durch einen Steinkreis ins Jahr 1743. Und dort begegnet sie Jamie Fraser. Plötzlich wird aus der Zeitreise eine Liebesgeschichte, aber auch eine Geschichte über Heimat, Zugehörigkeit und die Frage: In welche Zeit gehört ein Mensch eigentlich, wenn sein Herz in einer anderen lebt?
Vielleicht berührt mich Outlander gerade deshalb so sehr. Die Steine sind eine Schwelle. Auf der einen Seite liegt ein Leben. Auf der anderen ein anderes. Und irgendwo dazwischen steht ein Mensch und muss entscheiden, welchem Ruf er folgt.

Zeitreisen in Serien – und jede stellt eine andere Frage
Auch andere Serien haben dieses Thema auf ganz unterschiedliche Weise aufgegriffen.
Continuum (*) lässt eine Polizistin aus der Zukunft in unserer Gegenwart stranden. Dadurch entsteht eine spannende Frage: Wenn wir wissen, wohin gesellschaftliche Entwicklungen führen könnten – dürfen oder müssen wir dann eingreifen?
Dark macht aus Zeit beinahe ein Labyrinth. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben. Ursache und Wirkung verlieren ihre vertraute Ordnung. Die Frage lautet irgendwann nicht mehr nur: Wann geschieht etwas?, sondern: Kann ein Kreislauf überhaupt durchbrochen werden?
Doctor Who (*) macht die Zeit selbst zum Abenteuerraum. Mit der TARDIS werden Jahrhunderte und Welten durchquert – und immer wieder geht es darum, welche Folgen ein Eingriff in Ereignisse haben kann.
12 Monkeys (*) verbindet Zeitreisen mit einer Katastrophe: Ein Mann reist aus einer postapokalyptischen Zukunft zurück, um die Ursache einer verheerenden Pandemie zu verhindern.
Und Travelers (*) dreht die Idee noch einmal weiter. Bewusstsein aus der Zukunft wird in Menschen unserer Gegenwart übertragen, um den Verlauf der Geschichte zu verändern.
Immer wieder dieselbe Sehnsucht:
Wenn wir wüssten, was kommen wird – könnten wir es verändern?
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Der Anschlag – würdest du die Geschichte verändern?
Eine besonders spannende Variante erzählt Stephen King in „Der Anschlag“ (*) (11/22/63).
Der Lehrer Jake Epping entdeckt einen Zugang zum Jahr 1958. Seine Aufgabe wird schließlich ungeheuer groß:
Er soll versuchen, das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern.
Doch damit stellt King eine der klassischen Fragen jeder Zeitreisegeschichte:
Was passiert mit der Zukunft, wenn wir die Vergangenheit verändern?
Was zunächst wie eine einfache Verbesserung erscheint, kann Auswirkungen haben, die niemand vorhersehen konnte.
Vielleicht gibt es Ereignisse, deren Bedeutung wir erst aus großer Entfernung erkennen.
Zeitreisen in der Literatur – viel älter als unsere Fernsehserien
Die Idee ist natürlich wesentlich älter. Ein Meilenstein ist H. G. Wells‘ „Die Zeitmaschine“ von 1895. Sein Zeitreisender gelangt mit einer Maschine bis in das Jahr 802701 und entdeckt dort eine Zukunft der Menschheit, die zunächst beinahe paradiesisch erscheint. Doch Wells nutzt die Zeitreise nicht nur für ein Abenteuer.
Er hält seiner eigenen Gegenwart einen Spiegel vor. Genau das können Zeitreisegeschichten besonders gut: Wir reisen in eine andere Zeit – und entdecken dabei etwas über unsere eigene.
Bücher für Menschen, die Zeitreisen lieben (*)
Wer dieses Thema genauso faszinierend findet wie ich, könnte unter anderem diese Bücher entdecken:
H. G. Wells – Die Zeitmaschine (*)
Der große Klassiker. Eine Reise weit in die Zukunft und gleichzeitig eine gesellschaftliche Betrachtung über die Entwicklung der Menschheit.
Diana Gabaldon – Outlander / Feuer und Stein (*)
Historischer Roman, Liebesgeschichte und Zeitreise zugleich. Besonders faszinierend ist für mich der Gedanke des Steinkreises als Schwelle zwischen den Zeiten.
Stephen King – Der Anschlag (*)
Was geschieht, wenn ein Mensch versucht, Geschichte zu korrigieren? Ein Zeitreiseroman, der weit über Science-Fiction hinausgeht.
Audrey Niffenegger – Die Frau des Zeitreisenden (*)
Hier wird Zeitreise zu einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte. Henry reist nicht freiwillig durch die Zeit. Clare dagegen lebt ihr Leben chronologisch weiter. Zwei Menschen lieben einander – aber ihre Lebenszeiten verlaufen nicht gemeinsam.
Und passend zu unserem Thema erscheint Ende Oktober 2026 auf Deutsch sogar die Fortsetzung „Die Unruhe der Zeit“. (*) Darin steht Alba, die Tochter von Henry und Clare, im Mittelpunkt. Auch sie ist eine Zeitreisende.
Octavia E. Butler – Kindred (*)
Eine wesentlich ernstere Form der Zeitreise. Dana wird aus dem Kalifornien der 1970er-Jahre immer wieder in die Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg versetzt und begegnet dort ihrer eigenen Familiengeschichte.
Connie Willis – Doomsday Book (*)
Eine Historikerin reist für Forschungszwecke ins Mittelalter – und landet in einer der gefährlichsten Epochen der europäischen Geschichte. Zeitreise wird hier zu einer Begegnung mit Krankheit, Leid und menschlicher Widerstandskraft.
Blake Crouch – Recursion (*)
Hier verschwimmen Erinnerung, Wirklichkeit und Zeit. Menschen erinnern sich plötzlich an Leben, die sie scheinbar niemals gelebt haben. Eine spannende moderne Variante der Frage, wie stabil unsere Wirklichkeit eigentlich ist.
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Mein Video: Jenseits der Zeit
Die bevorstehende Zeitumstellung war schließlich der kleine Impuls für mein neues Video. Aber während ich daran gearbeitet habe, wurde daraus etwas anderes.
Es geht nicht wirklich um Sommerzeit oder Winterzeit. Es geht um die größere Frage: Was wäre, wenn Zeit nicht so fest wäre, wie sie uns erscheint?
Um Vergangenheit und Zukunft. Um Erinnerungen. Um verschiedene Lebenswege. Um Anfang und Ende. Und um jenen geheimnisvollen Augenblick, den wir Gegenwart nennen.
Vielleicht ist Zeit tatsächlich ein Schleier. Vielleicht können wir ihn nicht mit einer Maschine durchbrechen. Aber manchmal geschieht etwas anderes. Ein Duft trägt uns innerhalb einer Sekunde in unsere Kindheit. Ein Lied bringt einen Menschen zurück, den wir seit Jahrzehnten nicht gesehen haben.
Ein Ort fühlt sich vertraut an, obwohl wir glauben, niemals dort gewesen zu sein. Ein Traum lässt Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen. Und für einen kurzen Augenblick verliert die Zeit ihre Macht.
Können Zeitreisen wirklich existieren?
Hier möchte ich ganz bewusst zwischen Wissenschaft, Fiktion und persönlicher Vorstellung unterscheiden.
Die Zeitreisen aus Outlander, Dark oder Stargate sind Geschichten.
Wir können nicht durch einen Steinkreis gehen und nachweislich zweihundert Jahre früher wieder herauskommen. Doch die moderne Physik hat unser einfaches Bild einer überall gleichmäßig vergehenden Zeit längst verändert. Zeit ist keine vollkommen unabhängige, für jeden Beobachter identische Größe.
Das bedeutet nicht, dass wir morgen eine Zeitmaschine bauen können.
Aber es erinnert mich daran, wie wenig selbstverständlich das ist, was wir im Alltag einfach Zeit nennen.
Und vielleicht beginnt genau dort das Staunen.
Was wäre, wenn Zeit nicht nur eine Linie wäre?
Vielleicht faszinieren mich Zeitreisen deshalb schon so lange.
Nicht unbedingt, weil ich glaube, eines Tages in eine Maschine steigen und das Jahr 1743 besuchen zu können. Sondern weil hinter all diesen Geschichten eine viel tiefere Frage verborgen liegt: Was ist ein Leben, wenn wir es nicht nur als Strecke zwischen Geburt und Tod betrachten?
Wir sprechen von Vergangenheit. Von Gegenwart. Von Zukunft. Wir zeichnen eine Linie und setzen unseren kleinen Punkt darauf. Doch unser inneres Erleben funktioniert oft ganz anders. Manchmal liegt ein Ereignis von vor vierzig Jahren näher bei uns als der gestrige Nachmittag. Manchmal leben Menschen in unserem Herzen weiter, obwohl ihre gemeinsame Zeit mit uns längst vergangen ist.
Manchmal verändert eine Erkenntnis in der Gegenwart sogar unsere Vergangenheit – nicht das Geschehen selbst, aber die Bedeutung, die es heute für uns besitzt. Vielleicht können wir die Vergangenheit nicht verändern. Aber wir können verändern, wie wir ihr begegnen. Und dadurch verändert sich manchmal auch der Weg, der vor uns liegt.
Eine Stunde zurück – und vielleicht einen Augenblick nach innen
In der Nacht zum Sonntag stellen wir unsere Uhren zurück. Von drei auf zwei. Wir bekommen keine zusätzliche Lebenszeit geschenkt. Und trotzdem gefällt mir der Gedanke, diese merkwürdige doppelte Stunde als kleines Symbol zu betrachten.
Vielleicht müssen wir nicht immer schneller werden. Vielleicht dürfen wir gelegentlich aus unserem inneren Zeitplan heraustreten. Eine Stunde. Eine Minute. Einen Atemzug.
Denn möglicherweise liegt das größte Geheimnis der Zeit weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Sondern genau hier. In diesem einen Augenblick.
Und vielleicht ist er viel größer, als wir glauben.
